Mitarbeiterbudgets – eine neue Art der Ideenfindung im Unternehmen

Worum geht es in diesem Beitrag?

Ich erinnere mich noch gut an die Jahre, in denen ich mein Studium durch Arbeit in einer Betonmischmaschinenfabrik finanziert habe. Dort hing schräg gegenüber der Kantine, am Bürogebäude, ein Kasten mit der Aufschrift „Verbesserungsvorschläge“. Viel erklärt wurde dazu nicht, man sollte halt einfach einen Vorschlag und seinen Namen auf ein Stück Papier schreiben und einwerfen. Es gab Prämien, falls ein Vorschlag umgesetzt wurde, doch deren Höhe war nicht genau definiert. Und so war der Kasten meist leer…

Das betriebliche Vorschlagswesen

Das betriebliche Vorschlagswesen hat nicht nur einen unheimlich sperrigen Titel, der so klingt, als habe sich das eine Behörde ausgedacht. Es ist auch seit seiner Einführung immer wieder neu gestaltet worden, trägt nun diverse Decknamen, ist beim einen Unternehmen im KVP beheimatet, beim anderen in der Ideenschmiede. Die Ansätze zur Umsetzung von Verbesserungen sind lobenswert, doch sie taugen eher für kleinere Maßnahmen des täglichen Arbeitens als für den großen Wurf.

Hilft Innovationsmanagement?

Ideen, die ein Unternehmen wirklich nach vorne bringen, sind auf diese Weise nur schwer zu generieren. Hier setzt das Innovationsmanagement an, welches durch einen mehrstufigen Prozeß Ideen erzeugen und umsetzen möchte. Nur…was, wenn die Mitarbeiter partout keine Ideen haben ( wollen )? Der Zwang zur Kreativität ist ein Problem für sich, und ich kenne viele Menschen, die mit den Augen rollen, wenn das Wort „Brainstorming“ ( oder eine Abwandlung davon ) auftaucht. Mitarbeiter können auf Knopfdruck keine Ideen produzieren, das ist wissenschaftlich erwiesen. Auf der anderen Seite zwingt der Wettbewerbsdruck zu Innovationen – man steckt also wieder in der Klemme.

Was machen wir anders?

Ich folge hier meiner Intuition und der nicht genau zu spezifizierenden Ahnung, daß jeder Mensch in der Lage ist, großartiges zu leisten – wenn es ihn denn interessiert. Beobachten Sie das mal im Gespräch mit einem Mitarbeiter, wenn das Thema seines liebsten Hobbies zur Sprache kommt…da blüht selbst derjenige auf, der sonst nie einen Wortbeitrag von sich gibt. Und genau das hoffe ich mit den Mitarbeiterbudgets zu erreichen.

Wie geht das nun genau?

 Jeder Mitarbeiter, ob Vollzeit oder Teilzeit, hat dieses Jahr ein Budget in Höhe von 2.000,00 erhalten. Dieses Budget wird auf einer einfachen Liste für alle sichtbar verwaltet. Der Mitarbeiter kann nun selbständig entscheiden, was er mit seinem Budget machen möchte, solange das in irgendeiner Weise mit seiner Arbeit / seinem Arbeitsplatz / seinen beruflichen Zielen zu tun hat. Wichtig dabei ist, daß sich die beruflichen Ziele nicht mit den Zielen unseres Unternehmens decken müssen. Plant der Mitarbeiter nun, von seinem Budget einen Betrag zu investieren, so braucht er drei Fürsprecher. Hat er diese Stimmen gewinnen können, habe ich kein Veto mehr gegen die geplante Investition, kann aber auch eine der drei Stimmen dafür sein.

Beispiele:

Ein Mitarbeiter möchte unbedingt einen größeren Bildschirm / einen zweiten Bildschirm, da er so besser arbeiten kann. Eine Mitarbeiterin hat eine Produktidee und braucht dazu eine Fortbildung im Marketing. Um sich in ein für ihn interessantes Gebiet einzuarbeiten, werden von einem Mitarbeiter Fachbücher benötigt. Eine Mitarbeiterin hat eine Geschäftsidee und will nun deren Erfolgsaussichten prüfen. Dieser letzte Bereich ist für mich besonders interessant, in zweierlei Hinsicht. Zum einen ergeben sich so neue Services für unser Unternehmen, zum anderen kann die Mitarbeiterin aber auch bei den Kollegen auf Budgetsuche gehen. Man kann also sein eigenes Budget auch in die Idee eines anderen investieren und wird nach Art von Venture Capital dann am Erfolg beteiligt.

Was Sie tun können

Überlegen Sie, ob Sie dieses System ausprobieren möchten. Bei einem Großunternehmen empfiehlt sich ein Testlauf in einer einzelnen, separaten, überschaubaren Abteilung. Kommen Sie nicht auf die Idee, vermeintlich schwächere Mitarbeiter auszuschließen oder unterschiedliche Budgets zu gewähren. Für alle, aber auch wirklich alle, das gleiche Budget! Kürzen Sie auf keinen Fall an einer anderen Stelle, beispielsweise beim Jahresbonus. Sehen und bewerten Sie, was das Mitarbeiterbudget für das allgemeine Arbeitsklima und die Ideenfindung bringt.

Wenn Sie bei der Umsetzung Hilfe brauchen, sprechen Sie mich unter mann@dtdienst.de an – auch gerne, wenn Sie sich einfach nur austauschen wollen.

Ausblick: im nächsten Beitrag werde ich über das Thema der „modularen Arbeit“ berichten – wie wir von Einzelprojekten zur Teamarbeit gelangen wollen.

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